



Das EWZ wurde als Entwicklungszentrum Dortmund e. V. im Jahr 1985 auf Initiative des DGB sowie lokaler Institutionen und Persönlichkeiten gegründet. Mitglieder waren der DGB Kreis Dortmund, Vertreter von Einzelgewerkschaften, die Stadt Dortmund, (Amt für Wirtschaftsförderung), die Vereinigten Kirchenkreise und Repräsentanten von örtlichen Unternehmen und Instituten aus Wissenschaft und Forschung. Die Gründung des EWZ gilt bis heute als ein wichtiger Beitrag zum Strukturwandel im östlichen Ruhrgebiet.
In den ersten Jahren 1985 bis 1991 wurde das EWZ unter der Leitung seines Geschäftsführers Wolfgang Köbernik zu einem wichtigen regionalen Beschäftigungsträger aufgebaut, ansässig auf dem ehemaligen Versuchsgelände von Hoesch Union in der Huckarder Straße in Dortmund. In dem mit Landesmitteln finanzierten Beschäftigungsprojekt „Umnutzungs- und Umbauvorhaben Union Gewerbehof wurde modellhaft die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Bereich einer umweltorientierten Wirtschaft erprobt. Die Entwicklung von Projekten zum ökologischen Umbau der Immobilie mit Grauwassernutzung, einer Heizzentrale mit Biogasanlage und einem Blockheizkraftwerks diente sowohl der Entwicklung von Beschäftigung im Bereich innovativen Technologien als auch der umweltorientierten Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Männern und Frauen. Einige dieser Projekte bildeten die Keimzelle für neue Unternehmen, von denen sich einige danach erfolgreich am Markt behaupteten. Allererste Fühler wurden zur Europäischen Union nach Brüssel ausgestreckt, und mit den ersten ESF-Mitteln konnten Qualifizierungsprojekte für von Arbeitslosigkeit bedrohte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in großen Industriebetrieben wie die Hoesch AG und die Mannesmann AG durchgeführt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war bereits zu Beginn der 90er Jahre die Qualifizierung und Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund. Migrantinnen wurden für den Einzelhandel geschult und fanden dadurch einen guten Einstieg in dauerhafte Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Ankunft vieler Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion gab den Anlass zu dem Modellprojekt AKS – Arbeit-Kunst-Sprache, das 1991 bis 1993 vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft gefördert wurde. Nach einem innovativen Konzept wurde die soziale, berufliche und sprachliche Integration mit Hilfe von künstlerischen Aktivitäten unterstützt.
Wolfgang Köbernik übernahm neue Aufgaben und verließ im Jahr 1991 das EWZ. Sein enger Mitarbeiter Jürgen Peschel übernahm die Geschäftsführung. Als der Umbau des Union Gewerbehofs 1993 abgeschlossen war, zog das EWZ an seinen jetzigen Standort auf dem Gelände der 1987 geschlossenen Zeche Minister Stein, wo das arbeits- und sozialwissenschaftliche "Zentrum Minister Stein" entstand. Den Schwerpunkt bildete dann die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung. Projekte im Bereich der Umweltbildung richteten sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), das Nachfolgeprojekt AKS II und Qualifizierungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose und Migranten/innen kamen hinzu.
Das EWZ war ein aktives Mitglied im europäischen Netzwerk Trade Union Regional Network (TURN) und beteiligte sich an internationalen Tagungen zum Erfahrungsaustausch zu Themen des Strukturwandels, der Beschäftigungsförderung und der Qualifizierung. Mit transnationalen Partnern wurden gemeinsame Projekte im bereich der Umweltbildung durchgeführt.
Ende 1994 wandte sich Jürgen Peschel neuen Aufgaben zu und verließ das EWZ.
Das Jahr 1995 brachte eine tief greifende Veränderung für das EWZ. Nach zehnjähriger Vereinsgeschichte beschloss die Mitgliederversammlung 1995, die Umwandlung des EWZ in eine gemeinnützige GmbH vorzubereiten. Vier langjährig Beschäftigte des EWZ wagten den Schritt in die Selbständigkeit und übernahmen als Gesellschafter/innen die Verantwortung für die erfolgreiche Weiterführung der Einrichtung. 1996 wurde die EWZ GmbH gegründet. Geschäftsführende Gesellschafterin wurde die bisherige Projektleiterin im EWZ, Angelica Erbslöh.
In dieser Übergangszeit gelang es, mit einer Reihe von neuen, interessanten Projekten eine gute Ausgangsbasis für die neue Gesellschaft zu schaffen:
Zentrum für Interkulturelle Bildung (ZIB), Okt.1994 – Sept.1996, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Technologie und Forschung zur Sensibilisierung für Ausgrenzung und Diskriminierung sowie Förderung von Partizipation ausländischer Mitbürger durch Erfahrungsaustausch, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit.
Internationaler Kulturtreff Eving „Treff in der Mitte“ (TIM), Dez.1995 bis Nov. 1996, ein ABM-Projekt In Eving wurde eine Begegnungsstätte mit kulturellen Angeboten in den bereichen Bildende Kunst und Literatur geschaffen.
Medienwerkstatt Ost-West, 1995. Offene Angebote an Aussiedler/innen in den Bereichen Erzählen, Lesen, Herstellen von Medien.
Das Projekt Eingliederung von Zivilbeschäftigten der Rheinarmee, 01.04.95 – 31.03.97 hatte zur Aufgabe, die in die Arbeitslosigkeit entlassenen Zivilbeschäftigten zu ihren Berufswegen zu beraten und für den zivilen Arbeitsmarkt zu qualifizieren.
Das neue EWZ nahm schnell Fahrt auf und entwickelte neue Projekte und Maßnahmen im Bereich der Beruflichen Qualifizierung:
Umschulungsmaßnahmen
Neben dem laufenden Qualifizierungsangebot „Wiedereinstieg für Frauen in Verkaufsberufe“ wurden mit ESF-Förderung erstmalig Umschulungsmaßnahmen für die Zielgruppe der Migranten und Migrantinnen entwickelt und umgesetzt.
Teilgenommen haben vor allem gut qualifizierte Frauen, die aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen waren, deren berufliche Abschlüsse hier aber nicht anerkannt wurden. Durch die Umschulung in den für sie ungewohnten Berufen erwarben sie einen anerkannten Berufsabschluss. Dieser führte bei den allermeisten der Teilnehmer/innen zu dauerhafter Beschäftigung und stellte zudem eine solide Basis für Aufstiegsqualifizierung dar.
IT-Qualifizierungen
Als ein wichtiges Tätigkeitsfeld wurde nach der GmbH-Gründung das offene Angebot an EDV-Schulungen für Firmen ausgebaut. Dortmunder Krankenhäuser und große Einzelhandelsunternehmen konnten als Stammkunden gewonnen werden. Einige von ihnen zählen noch heute zu den zufriedenen Kunden.
Daraus entwickelte das EWZ einen neuen Tätigkeitsbereich für den Arbeitsmarkt. Ab 1999 wurden IT-Qualifizierungen für arbeitslose Kaufleute durchgeführt:
Das Platzen der IT-Blase wenige Jahre später führte auch zu einem Einbruch bei den IT-Arbeitsplätzen, so dass das Arbeitsamts IT-Schulungen stark einschränkte. Das EWZ führte dieses Qualifizierungsangebot für Arbeitssuchende nicht weiter.
Jugendberufshilfe - Projekte für Jugendliche
1995 kam der Projektbereich Jugendberufshilfe als zusätzlicher Schwerpunkt der EWZ GmbH dazu. Das europäische Projekt YOUTHSTART – Lernen für eine Umwelt ohne Grenzen richtete sich an Jugendliche mit Migrationshintergrund, die durch fachpraktische Qualifizierung in Handwerk und Umwelttechnik ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbesserten. Zusammen mit der technischen Ausbildung der Krupp Hoesch Stahl AG führten wir das das Einzelprojekt „Solaranlage“ durch. Während eines Austauschprojekts in Süditalien arbeiteten die Jugendlichen zusammen mit italienischen Jugendlichen in Projekten der italienischen Projektpartner. Es folgten weitere berufsvorbereitende Maßnahmen, in denen die Jugendlichen nicht nur berufsfachlich angeleitet wurden, sondern sie auch auf den Hauptschulabschluss vorbereiteten und in freizeitpädagogischen Maßnahmen teilnehmen konnten.
Eine Fortsetzung fand das Projekt 1997 bis 1999 in BOBBI – Beratung, Orientierung, berufliche Bildung, allerdings ohne transnationale Partnerschaft, gefördert vom Arbeitsamt Dortmund. Die kaufmännische und technische Berufsbildung der Thyssen Krupp AG fungierte weiterhin als Partner in der Berufsvorbereitung von jugendlichen Migranten und Migrantinnen.
2000 erweiterte das EWZ das Spektrum seiner Förderangebote an Jugendliche. Es sollte nicht mehr nur um Berufsvorbereitung gehen, sondern um den tatsächlichen Schritt in die Berufsausbildung. Dazu wurden Ausbildungsplätze in ausländischen Betrieben akquiriert und mit Hilfe der Ausbildungsberater der IHK zu Dortmund eingerichtet. Das EWZ unterstütze die Betriebe mit Pädagogen und mit Ausbilder und Ausbilderinnen mit Migrationshintergrund. Neben die Ausbildungsplatzakquisition trat die Ausbildungsbetreuung vor Ort und beim Träger. Das Projekt zur Förderung der Ausbildung in ausländischen Unternehmen, PFAU, wurde bis 2002 von der Krupp-Stiftung gefördert, und ein weiteres Jahr durch das Arbeitsamt Dortmund. Das erfolgreiche Konzept wurde weiterentwickelt zum Projekt PFAD, Förderung der Ausbildung in Dortmund. In den Jahren 2003 bis 2007 konnten mit finanzieller Unterstützung durch das Land NRW im Rahmen des ESF-Ziel II Programms mehr als dreihundert Betriebe angesprochen und rd. 150 zusätzliche Ausbildungsplätze eingerichtet und besetzt werden. Von Sommer 2008 bis Sommer 2011 konnte diese erfolgreiche Arbeit im Rahmen des Projekts RAN – Regionales Ausbildungsnetzwerk Ruhrgebiet fortgesetzt werden.
Jugendliche und Neue Medien
1997 gewann das EWZ einen Wettbewerb der Europäischen Kommission für ein Konzept und die Durchführung eines europäischen Mediums, das Jugendliche in Europa sowohl an Themen des europäischen Arbeitsmarkts als auch an die europäischen Institutionen in Brüssel heranführen sollte. Das EWZ entwickelte das Konzept für ein europäisches, mehrsprachiges Jugendmagazin im Internet. Um die europäische Dimension zu gewährleisten wurden Jugendorganisationen aus Irland, Spanien und Polen als Partner gewonnen. So war das EWZ von 1998 bis 2000 der Herausgeber von POP-UP – European Youth Online Magazine (www.pop-up.org). Aufgrund der Veröffentlichung aller Artikel auch in Englisch wurde das Magazin nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt gelesen und hatte eine ausgezeichnete Resonanz. Neben einer angestellten Redakteurin schrieben auch Jugendliche aus Dortmund für das Magazin.
Dieses Projekt war Ausgangspunkt für das Konzept des Pop-Up Club International, das 2002 bei der RWE-Jugendstiftung in Essen Anklang fand und von dieser zwei Jahre lang gefördert wurde. Der Pop-Up Club betrieb im EWZ ein Internetcafé für Jugendliche aus Eving. Lernen mit neuen Medien umzugehen und die journalistische Erkundung der Umgebung wurde verbunden mit Angeboten zur Berufswegeplanung für Schüler und Schülerinnen der umliegenden Schulen. Der Pop-Up Club wiederum war die Keimzelle für das Internetcafé, welches als AGH-Projekt bis heute geführt wird.
Eine fruchtbare Trägerkooperation im ISB e. V.
Zwei große Gemeinschaftsprojekte von mehreren Trägern aus dem ISB e. V. (Interessengemeinschaft Sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen) schufen eine Basis für nachhaltige Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt:
Im ESF-geförderten Landesprogramm Jugend in Arbeit wurden, mit organisatorischer Unterstützung der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung Dortmund, sechs Beratungsstellen in Dortmund eingerichtet, eine davon im EWZ. Seitdem arbeiten die Berater der Jugend in Arbeit-Träger eng zusammen mit Beratern von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer, um junge Arbeitslose zu beraten und Unternehmen für arbeitslose Jugendliche aufzuschließen, um ihnen eine Chance auf dauerhafte Beschäftigung zu geben. Inzwischen hat die Arbeitsverwaltung die Finanzierung übernommen
Ein Wegbereiter für die später einsetzende Welle von Analyseverfahren im Rahmen von Benachteiligtenförderung war 2002 und 2003 das ISB-Projekt ASSment (ein Wortspiel aus ASS – Arbeit statt Sozialhilfe - und Assessment). In enger Zusammenarbeit mit dem Sozialamt Dortmund wurden Verfahren zur Potenzialanalyse von Sozialhilfeempfängern und –empfängerinnen entwickelt und in einem Assessmentcenter eingesetzt. Ergänzt durch praktisches Arbeiten in verschiedenen Berufsfeldern, welches ebenfalls nach festgelegten Kriterien begutachtet wurde, konnten Empfehlungen für weitere notwendige Integrationsschritte der Teilnehmenden getroffen werden.
Die Arbeitsmarktreform 2005
Die Arbeitsmarktreform 2005 „Hartz IV“ stellte für die Arbeitslosen und Sozialhilfe-empfänger/innen einen großen Umbruch dar, der nicht immer zur Verbesserung für die Betroffenen führte. Die Reform bedeutete aber auch für die Bildungsträger gravierende Veränderungen und große Herausforderungen. Die Förderinstrumente wurden völlig neu gestaltet, die Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) wurde eingeführt. Damit einher geht seitdem das System der Bildungsgutscheine für arbeitslose Bildungsinteressierte.
Für das EWZ war das Jahr 2005 geprägt von der Vorbereitung auf die Zertifizierung nach DIN ISO 9001 und auf die AZWV-Anerkennung. Alle Prozesse, alle Abläufe und Aktivitäten im Zusammenhang mit den Projekt- und Qualifizierungsangeboten im EWZ wurden durchleuchtet und nach den Anforderungen des Qualitätsmanagements verbessert. Seit März 2006 ist das EWZ nach DIN ISO 9001 und AZWV zertifiziert. Jährlich besteht das EWZ seitdem das Überprüfungsaudit durch die CERTQUA.
Die Veränderungen der Förderungs- und Finanzierungsinstrumente der Arbeitsverwaltung sowie die neue Struktur von Agentur für Arbeit und ARGE aus Arbeitsamt und Sozialamt ließen die Getriebe der Bildungs- und Beschäftigungsträger enorm knirschen. Konzepte und organisatorische Schritte der Qualifizierungsangebote mussten verändert werden. Um die arbeitssuchenden menschen, die jetzt „Kunden“ hießen, auf die eigenen Weiterbildungsangebote aufmerksam zu machen, mussten erhebliche finanzielle und personelle Aufwendungen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden.
Infolge gab das EWZ z. B. sein Qualifizierungsangebot im Bereich Gastgewerbe auf, weil es von den Kunden zu wenig nachgefragt wurde. Stattessen wurde das kaufmännische Angebot ausgebaut. Die EDV-Schulungsräume wurden auf 60 PC-Schulungsplätze erweitert. Die kaufmännische Übungsfirma „ewz-edition“ entstand und kaufmännisches Englisch und DATEV wurden in die Konzepte mit aufgenommen. Im Qualifizierungsangebot Handel wird seitdem sehr erfolgreich auf die Externenprüfung vorbereitet.
Ein völlig neues Qualifizierungsangebot wurde 2005 zum ersten Mal im Rahmen des ESF-Programms AQUA durchgeführt: die Vorbereitung von gelernten Krankenpflegern/innen aus sog. Drittstaaten auf die Anerkennungsprüfung. Der Erfolg und die Nachhaltigkeit, vor allem was die anschließende dauerhafte Beschäftigung betrifft, machen diese Qualifizierung zu einem Dauerbrenner für zugewanderte Krankenpfleger und -pflegerinnen aus der ganzen Umgebung.
Neben den Qualifizierungsangeboten im FbW-Bereich (Förderung der beruflichen Weiterbildung) engagiert sich das EWZ seitdem im lokalen Beschäftigungsprogramm im Rahmen von Arbeitsgelegneheiten sowie in der ESF-geförderten Verbundausbildung.
ESF-geförderte Projekte 2006 - 2011
Im Programm STARegio von BMBF und BIBB: Ausbildungsförderung in Gesundheitsberufen, in Kooperation mit der dobeq GmbH.
Projekt für 50+ Joint Ages. Zielsetzung: Win-Win durch den Einsatz von Qualifikation und Erfahrung älterer Arbeitnehmer/innen in jungen Unternehmen. Ko-Finanzierung durch ARGEJobCenter Dortmund.
Ethnische Küche – Anpassungsqualifizierung für Küchenhilfen für den Einsatz in der ethnischen Gastronomie. Ko-Finanzierung durch ARGEJobCenter Dortmund.
Im Programm Jobstarter von BMBF und BIBB: RAN – Regionales Ausbildungsnetzwerk Ruhrgebiet (2008 – 2011).
EWZ Entwicklungszentrum für berufliche Qualifizierung und Integration GmbH
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